Studie "Engagement im ländlichen Raum Ostdeutschlands" veröffentlicht

Kompaktbericht jetzt hier lesen

Die thüringenweite Studie "Engagement im ländlichen Raum Ostdeutschlands" ist nun veröffentlicht und wurde heute, am 10.11.2020, vom durchführenden Sozialforscher Herrn Dr. Thomas Gensicke im Rahmen einer Bund-Länder-Kommunen-Runde vorgestellt.

Zudem stellte das ZiviZ-Insitut den aktuellen Lagebericht zum bürgerschaftlichen Engagement in der Corona-Krise vor.

Den Kompaktbericht zu der Studie "Engagement im ländlichen Raum Ostdeutschlands 2020" finden Sie hier (PDF).

Der ländliche Raum ist besonders auf das Ehrenamt angewiesen, es gibt dort aber auch besondere Probleme. Ehrenamtliches Engagement kommt durch das soziale und kulturelle Klima leichter zustande, es erwächst aber auch aus schierer Notwendigkeit. Öffentliche und kommerzielle Angebote stehen dort viel weniger zur Verfügung als in der Stadt. Die Abwanderung jüngerer Menschen in die Städte, eine ausgedünnte Infrastruktur und die materielle Schwäche der Gemeinden gefährden die Vereine als wichtigste Struktur des Engagements.

"Ohne Ehrenamt ist der ländliche Raum überhaupt nicht mehr existent. Wenn es nicht 5 Hände voll richtig 'Verrückte' geben würde, ginge bei uns im Ort nicht viel. Wir lassen uns aber nicht entmutigen und machen einfach weiter. Ehrenamt lohnt sich. Die Bürokratie für die Vereine müsste sich verschlanken. Da wäre ein erster Anfang gemacht."
(Verein einer Gemeinde, 400 Einwohner)

Das Projekt wird durch den Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Wir danken allen engagierten Personen, die an der Befragung teilgenommen haben!

Für das Jahr 2021 sind lokale Veranstaltungsformate in Thüringen geplant, um die Ergebnisse der Studie vor Ort zu präsentieren.


Sehr geehrte Ehrenamtliche, Akteur*innen und Interessierte,


seitdem die Thüringer Ehrenamtsstiftung im Herbst 2019 die Studie "Engagement im ländlichen
Raum Ostdeutschlands" in Auftrag gegeben hat, ist mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie viel passiert, was zusätzlich auch mit Blick auf die in Gründung befindliche Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt zu neuen Erkenntnissen innerhalb der Studie geführt hat.

Nun hat der Sozialforscher Dr. Thomas Gensicke die spannenden Ergebnisse und sich daraus ableitende Empfehlungen veröffentlicht.
 
Die Studie ist die umfassendste, die seit langem in Thüringen bzw. im ostdeutschen Raum zum Thema „Ehrenamtliches Engagement“ durchgeführt wurde.  


Herr Dr. Gensicke hat insgesamt 63 Telefoninterviews von je 60 bis 90 Minuten geführt, 352 Fragebögen ausgewertet und mehrere Besuche in kleineren Orten des Freistaats vorgenommen. So ergibt sich bezüglich Region, Ebene und Engagementfeld ein guter Querschnitt durch die ehrenamtlich aktive Thüringer Bevölkerung, die an der Studie teilgenommen hat.


Auch in Thüringen als besonders ländlich geprägtes Bundesland bestätigen sich beobachtbare Trends in der Gesellschaft, die bisher nicht wissenschaftlich fundiert waren, besonders deutlich. So spielen die Schwierigkeit der Nachwuchsgewinnung, Hürden bei der Digitalisierung, ein Zuviel an Bürokratie und Strukturen, die  nur ansatzweise an den ländlichen Raum angepasst sind, eine sehr große Rolle,  wenn sich die Befragten zu aktuellen Herausforderungen im Ehrenamt äußern. 
Die Befragung bestätigt, diese Bereiche noch viel stärker in den Blick zu nehmen.

Diesen Herausforderungen wollen wir uns weiterhin, nun auch mit einer Bundesstiftung als starke  Partnerin an der Seite, stellen.
 
Frank Krätzschmar  
Vorstandsvorsitzender der Thüringer Ehrenamtsstiftung

 



Gefördert durch

Forschungsinstitut

Dr. Thomas Gensicke ist mit der Durchführung der Studie beauftragt. Dr. Gensicke leitete im Rahmen seiner Tätigkeit beim Umfrageinstitut Infratest die Freiwilligensurveys der Bundesregierung (BMFSFJ) 2004 und 2009. Zugleich erstellte er auf dieser Basis für das BMI (Ostbeauftragter) zwei Studien über die neuen Bundesländer im Ganzen und zugleich für viele einzelne Bundesländer, darunter mehrfach für verschiedene neue Länder. Er verfasste im Auftrag der BMEL eine umfassende Studie zum ehrenamtlichen Engagement in den ländlichen Räumen der Bundesrepublik.

Website: www.gensicke-sozialforschung.de

Zielstellung

Ziel des Projektes ist die Stärkung des Bürgerschaftlichen Engagements und der Engagementstrukturen. Dazu sollen neue Erkenntnisse für eine zielgenaue Förderung und Unterstützung von Vereinen und bürgerschaftlich organisierten Initiativen gewonnen und die Service- und Beratungsstrukturen weiterentwickelt werden.

Hintergrund

Das ehrenamtliche Engagement hat eine große Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es ist unerlässlich für individuelle Teilhabe, gesellschaftliche Integration, Wohlstand, das kulturelle Leben, stabile demokratische Strukturen und soziale Bindungen.
In Ostdeutschland sind die Engagementstrukturen noch nicht so verfestigt und erfordern zudem teils auch andere Unterstützungsmaßnahmen als in Westdeutschland. Die demografische Entwicklung, hier die Entleerung des ländlichen Raums und hohe Alterung, sowie auch die finanziellen Ressourcen der Kommunen stellen im Osten des Landes zusätzliche Herausforderung dar.
Die Angleichung der Lebensverhältnisse im ganzen Land sowie die Stärkung der Demokratie und des Zusammenhalts sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch den Bund in die Verantwortung nimmt.