Studie: Corona-Folgen für das Engagement - und wie sie aufzufangen sind

„Für Freiwilligenagenturen und andere sogenannte engagementfördernde Infrastruktureinrichtungen bürgerschaftlichen Engagements ist die Coronakrise eine enorme Belastungsprobe.“ So steht es in eine Analyse der „Lage des freiwilligen Engagements in der ersten Phase der Corona-Krise“, so der Untertitel.

„Für Freiwilligenagenturen und andere sogenannte engagementfördernde Infrastruktureinrichtungen bürgerschaftlichen Engagements ist die Coronakrise eine enorme Belastungsprobe.“ So steht es in eine Analyse der „Lage des freiwilligen Engagements in der ersten Phase der Corona-Krise“, so der Untertitel. Die Autoren von Ziviz im Stifterverband haben u.a. mit der bagfa und einigen Lagfas gesprochen, die berichteten u.a. von Spontan-Engagement („mindestens zehn Mal mehr Helfer als Bedarf“), ordentlichen finanziellen Verhältnissen („stabil“) und Herausforderungen der Ad hoc-Digitalisierung („Bleiben wir arbeitsfähig oder datenschutzkonform? Das war ein Zwiespalt, in dem wir uns befunden haben, und wir haben gesagt: Im Zweifelsfall bleiben wir arbeitsfähig.“)

Ausgerechnet in Sachen Digitalisierung nehmen die Autoren die Freiwilligenagenturen aber in die Pflicht. Denn sie sagen: Digitalisierung verlangt Organisationsentwicklung. Wer hat den Hut auf, in welche Tools wird investiert, wie verändert das die Zusammenarbeit? So schnell, wie das in der Corona-Krise in vielen Vereinen gehen musste, so wenig ist das Thema erledigt, im Gegenteil. Deshalb fordert die Studie, gemeinnützige Organisationen dabei zu unterstützen – und dazu auch Freiwilligenagenturen einzubinden.

Die Empfehlung der Studie:
„Um diesen in Kürze rasant gestiegenen Beratungsbedarf zu befriedigen, bräuchte es idealerweise vor Ort geeignete Kompetenzstrukturen. Ideal wäre es daher, wenn Bund und Länder mit einem breit angelegten Modellprogramm den Aufbau von Beratungskapazitäten zum Beispiel in Freiwilligenagenturen und Mehrgenerationenhäusern, Seniorenbüros, Ehrenamtsstiftungen und Selbsthilfekontaktstellen, aber auch in Verbänden fördern und mit dem Aufbau von Beratungskapazitäten in der in Gründung befindlichen Bundesstiftung für Engagement und Ehrenamt vernetzen.“

Damit ist aber nur ein kleiner Teil der Analyse und der Empfehlungen wiedergegeben, erstellt auf der Basis von 45 leitfadengestützten Interviews. Unterschiedliche Bereiche des Engagements wurden dabei durchgescannt, von der Kultur über die Kirchen bis zum Sport.
Hier die Überschriften, die die Zustände in fünf Feldern zusammenfassen:
- "Bildung - geschwächtes Korrektiv sozialer Ungleichheit
- Soziale Dienste - prekäre ehrenamtliche Strukturen und unterversorgte Zielgruppen
- Gesundheit/Selbsthilfe – Folgeschäden für Zielgruppen befürchtet
- Kirche und religiöser Bereich – spirituelle Erfahrungen im digitalen Raum
- Migrantenorganisationen – Unsicherheit in Ausnahmesituation

Beachtlich sind auch die Empfehlungen, die die Autoren formulieren. Fünf davon seien hier vorgestellt:
+ „Schutzschirm für existenzbedrohte Organisationen“ und „finanzielle Langzeitfolgen abwenden“ (denn wenn Mitglieder und Spenden sowie Sponsoringpartner verloren gehen, zeigt sich das unter Umständen erst später)
+ „Orientierung für sichere digitale Lösungen geben“ (denn „Überblickswissen über Anbieter und Anwendungen“ sei selten und „eine Whitelist datensicherer und datenschutzrechtlich unproblematischer Anbieter und Anwendungen für viele Vereine eine massive Erleichterung“)
+ „Zivilgesellschaft als Partner von Politik in die Krisenbewältigung einbinden“ („Die Politik hat die Zivilgesellschaft nicht als Partner, hat Verbände, Stiftungen und andere nicht als wichtige Brücken in die Gesellschaft erkannt.“ Ein Fehler, denn immerhin könnte Zivilgesellschaft helfen bei der politischen Herausforderung, „legitimationswirksame Mechanismen der Willensbildung für den weiteren Weg durch die Krise zu finden“)

Quelle: Engagementnachrichten der bagfa - Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V:  https://bagfa.de/

Die Studie „Lokal kreativ, finanziell unter Druck, digital herausgefordert. Die Lage des freiwilligen Engagements in der ersten Phase der Corona-Krise“ wurde von den Bundesländern Bayern, Berlin, Rheinland-Pfalz und der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Im Zeitraum von 16. Bis zum 30. April wurden 45 qualitative Interviews mit VertreterInnen der Leitungsebene von Verbänden auf der Landes- und der Bundesebene, von Infrastruktureinrichtungen im Bereich der Engagementförderung, der organisierten Selbsthilfe und von Bürgerstiftungen durchgeführt. In den folgenden Wochen wird es Nachfolgebefragungen geben, um die Entwicklung der Lage aus Perspektive der Zivilgesellschaft zu untersuchen.