Neue Erkenntnisse aus dem Engagementbarometer

Die Befragung von ZiviZ im Stifterverband zeigt, die Corona-Krise trifft zivilgesellschaftliche Organisationen unterschiedlich hart. Im Mittelpunkt des Interesses steht: Welchen Schaden verursacht die Corona-Krise in der Zivilgesellschaft? Wie trägt die Zivilgesellschaft zur Krisenbewältigung bei? Wie verändern sich krisenbedingt Formen der Zusammenarbeit im Engagement?

Öffentliche Debatten über die Folgen der Coronakrise für zivilgesellschaftliches Engagement fokussieren sich bisher vor allem auf Mitgliederschwund und Liquiditätsprobleme. Die Themen- und Formenvielfalt des Engagements wird kaum berücksichtigt. Dabei gibt es deutliche Unterschiede, etwa zwischen haupt- und ehrenamtlich Engagierten oder zwischen Stadt und Land. Hieraus ergeben sich verschiedene Problemlagen, vor allem in den Bereichen Finanzierung, Krisenbewältigung, und Engagementfortführung. Das zeigt die aktuelle Befragung des Engagement-Barometers von ZiviZ im Stifterverband.

Zivilgesellschaftliche Organisationen, die auf Mitgliedsbeiträge angewiesen sind, sind von der Corona-Pandemie härter betroffen als Organisationen, in denen sich vorrangig ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren. Organisationen auf dem Land haben es schwerer als Vereine in der Stadt. Das sind Ergebnisse des aktuellen Engagement-Barometers, das ZiviZ im Stifterverband aktuell alle drei Monate herausgibt. Mit der Befragung soll die Lage der zivilgesellschaftlichen Organisationen während der Corona-Krise beobachtet werden.

Akteure, die sich durch selbsterwirtschaftete Mittel tragen, kämpfen besonders mit finanziellen Problemen.
Für Kultur-, Bildungs- und Sportorganisationen sind selbsterwirtschaftete Mittel eine wesentliche Finanzierungsquelle. Mehr als 88 Prozent dieser Organisationen melden einen starken Rückgang dieser Einnahmen. Für Sportorganisationen sind außerdem Mitgliedsgebühren besonders relevant. Auch diese sind während der Corona-Krise bei fast einem Drittel der Sportorganisationen rückläufig. Hilfsprogramme zur Deckung von Einnahmeausfällen sollten daher unbedingt aufrechterhalten werden.

Organisationen mit hauptamtlich Engagierten fürchten häufiger die Existenzaufgabe als rein ehrenamtliche Organisationen.
Zivilgesellschaftlichen Organisationen mit hauptamtlich Engagierten sind eher von einer pandemiebedingten Existenznot betroffen, als jene die rein ehrenamtlich getragen sind. Sie müssen Gehälter weiterbezahlen und Mitverantwortung für Familienexistenzen tragen. Etwas mehr als jede vierte befragte Organisation mit hauptamtlich Engagierten (26 Prozent) befindet sich bereits in einer existenzbedrohenden Situation oder befürchtet diese für das laufende Jahr. Die recht kleinen Budgets der Soforthilfen für die Zivilgesellschaft werden hier im Notfall nicht ausreichen. Es braucht eine enge Abstimmung der Corona-Hilfen unter den politischen Ressorts, um die individuellen Bedarfe zivilgesellschaftlicher Organisationen besser berücksichtigen. Auch eine gemeinsame Kommunikation wäre wichtig, damit betroffene Akteure schneller die adäquaten Hilfsangebote finden.

Organisationen im ländlichen Raum fällt es schwerer, ihr Engagement in und nach der Pandemie aufrecht zu erhalten.
Während 42 Prozent der Organisationen auf dem Land ihr Engagement in der Krise gut fortsetzen konnten, waren es unter städtischen Einrichtungen 60 Prozent. Ländlich engagierte Organisationen sind demnach auch häufiger skeptisch, dass sie nach der Pandemie ihr gewohntes Engagement fortsetzen können. Bereits bestehende Problemlagen (Landflucht, große Distanzen, unzureichende Anbindung ans Internet) werden forciert. Umso wichtiger ist es, diese Probleme nach der Krise prioritär anzugehen. Wie können Führungsämter aus größerer Entfernung von jungen Erwachsenen übernommen und ausgeübt werden? Welche Fähigkeiten können Jugendliche durch aktives Engagement für ihre berufliche Ausbildung erwerben und als solche auch zertifizieren lassen? Diese Fragen sollten dringend beantwortet werden.  Auch kann Engagement kann durch eine bessere Mobilität gefördert werden, indem zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel von Engagierten kostenlos genutzt werden können.

Den detaillierten Bericht mit weiteren Ergebnissen und Informationen zur Befragung finden Sie hier.

Hintergrundinformationen zur Befragung:
Das Engagement-Barometer 2021 fragt alle drei bis vier Monate vor allem Vereine zu ihrer Situation während der Coronakrise. Es wird gefördert durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg, das Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales Bayern, die Senatskanzlei Berlin, die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, die Landes-Ehrenamtsagentur Hessen, das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren Schleswig-Holstein und die Thüringer Ehrenamtsstiftung.

Im Mittelpunkt des Interesses steht: Welchen Schaden verursacht die Corona-Krise in der Zivilgesellschaft? Wie trägt die Zivilgesellschaft zur Krisenbewältigung bei? Wie verändern sich krisenbedingt Formen der Zusammenarbeit im Engagement?